EFSA kritisiert Verwendung von E171 in Lebensmitteln

In ihrer jüngsten Bewertung für Titandioxid (E 171) kam die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Mai 2021 zu dem Schluss, dass der Lebensmittelzusatzstoff „nicht mehr als sicher angesehen“ werden kann. Damit weicht sie von den früheren Einschätzungen aus den Jahren 2016 und 2017 ab.

Die Bewertung der EFSA bezieht sich speziell auf den Einsatz als Lebensmittelzusatzstoff und ist unabhängig von der harmonisierten Einstufung für Titandioxid unter der CLP-Verordnung.

Die EFSA hat für ihre Bewertung überwiegend neuere Studien genutzt, die zum Teil extra mit dem Zusatzstoff angefertigt wurden, um Datenlücken zu schließen. Diese Studien ließen kein unmittelbares Gesundheitsrisiko erkennen. Allerdings konnte der Verdacht, dass speziell die Nanopartikel im Zusatzstoff eine erbgutschädigende Wirkung (Genotoxizität) haben könnten, anhand der vorliegenden Studien nicht ausgeräumt werden – weil die Studien mit dem Zusatzstoff und nicht mit einem extra präparierten Nanomaterial gearbeitet haben.

Da der Verdacht auf eine genotoxische Wirkung nicht ausgeräumt werden konnte, kann auch keine maximale Tagesdosis (ADI) abgeleitet werden – was für die EFSA eine Grundlage für die sichere Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen ist.

An Zusatzstoffe werden besondere gesundheitliche Anforderungen gestellt. Genotoxische Substanzen, deren negative Effekte beim Menschen belegt sind, kommen beispielsweise auch in einigen natürlichen Lebensmitteln vor, die aber in der Ernährung unvermeidbar sind. Für Titandioxid ist kein Zusammenhang mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung beim Menschen bekannt, dennoch muss es strengere Vorgaben erfüllen.

Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, mit den Mitgliedsstaaten über ein Verbot des Lebensmittelzusatzstoffs zu sprechen. Auf andere Einsatzgebiete hat dies keinen direkten Einfluss, zum Beispiel beim Einsatz von Titandioxid in Masterbatches, Druckfarben oder Dosenlacken für die Herstellung von Lebensmittelbedarfsgegenständen. Hier entscheidet über den Einsatz, ob ein Stoff ins Lebensmittel migrieren kann oder nicht. Zahlreiche Studien zeigen, dass bei Pigmenten und Füllstoffen, die in eine Kunststoff- oder Bindemittelmatrix eingebunden sind, generell keine Migration ins Lebensmittel stattfindet. Dies hat auch der europäische Druckfarbenverband EuPIA in seiner Stellungnahme herausgestellt.

Stellungnahme des europäischen Druckfarbenverbandes